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Phantom / Ghost
Reinhold Köhler
 
Carpe Noctem

Phantom/ Ghosts neues Mysterienspiel

„Endlich muss ich mal nicht Gitarre spielen“ stellt Dirk von Lotzow lakonisch fest, und ein lächeln huscht über sein von der letzten Nacht gezeichnetes Gesicht. Dirk von Lotzow ist eigentlich Sänger und Gitarrist der Hamburger Seitenscheitel-Band Tocotronic und sitzt nun mit Thies Mynther (Keyboarder bei Stella und Superpunk) in einem Hinterzimmer bei Mute in Berlin, um das neue Album ihres gemeinsamen Projektes Phantom/ Ghost vorzustellen. Gestern war eine lange, ausschweifende Nacht, inklusive Live-Auftritt bei einem Berliner Indie-Festival, viel Alkohol und noch mehr Zigaretten. Nun sitzen die beiden also mit einem ordentlich kultivierten Hangover vor ihren überdimensionalen Kaffeetassen und wünschen sich sicherlich nach Damascus, der orientalischen Stadt, die für ihr neues Album Pate stand.

Auf „To Damascus“ verlassen beide ihre angestammten musikalischen Gegebenheiten, um sich in direkter Nachbarschaft zum Indiepop eine neue, ganz eigene und eigenartige Nische einzurichten und sie mit all der Romantik, der Melancholie und Sehnsucht auszufüllen, die ihren Geist in die Ferne treibt, ihre Füße jedoch fest auf dem Boden des Hier und Jetzt fest verankert lässt. So ist der Hang zur bittersüßen Klangmalerei allgegenwärtig, wenn von Lotzow mit rauchiger Doppel-Stimme „Born With A Nervous Breakdown“ ins Mikro haucht, während sphärische Soundscapes mit klickenden Beats zu einem verklärten Bild klaustrophobischer Daseins-Flucht emulgieren.

Mittlerweile klammern sich Mynther und von Lotzow an die dritte Tasse Kaffee und suchen in ihren leeren Zigarettenschachteln nervös nach Rauchbarem. Dabei hat Dirks Stimme inzwischen Untiefen erreicht, die sich noch nicht einmal auf „To Damascus“ finden lassen: „Obwohl wir das Düstere in der Musik schon ziemlich geil finden, haben wir uns nicht explizit vorgenommen, eine düstere Platte zu machen. Das ist einfach so geworden.“

Thies Münter ergänzt: „Wir sind zwar keine depressiven Menschen, aber wir mögen eben das Dunkle, das Irritierende und Verstörende, weil das meistens sehr interessante Prozesse in einem auslöst.“ Wer sich tatsächlich auf die musikalische Reise durch die Irrgärten bizarrer, halluzinatorischer Bilderwelten und anemisch-wunder Dünnhäutigkeit begibt und Zeugnis ablegt, für den haben Phantom/ Ghost noch ein versöhnliches Angebot für das Leben danach bereit: Auf der Innenseite ihres CD-Booklets steht in großen Druckbuchstaben geschrieben: „You Are Forgiven“.

 
 
 
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