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Warum den Löffel abgeben?
Jam & Spoon veröffentlichen „Tripomatic Fairytales 3003“
„Ich bin von der Qualität der Neuerscheinungen und von dem, was man in den Diskotheken zu hören bekommt, eher enttäuscht. Es dreht sich momentan wirklich sehr im Kreis und es fehlt meiner Meinung nach sehr an Innovationen“ ließ der Frankfurter Produzent und Musiker Jam El Mar in einem Interview verlauten. Klingt hoch aktuell, ist aber bereits aus dem Jahre 1996, als das Duo Jam & Spoon noch ein wenig auf den Schwingen des Ruhms dahinglitten, die es sich zwei Jahre zuvor mit ihren Hitalben „Tripomatic Fairytales 2001 & 2002“ verdient hatte. Zumindest konnte so ziemlich jeder, den man zwischen Kaufhof und Recordstore darauf ansprach, die Großraumdisco-Hymne „Right In The Night“ mitsingen, ohne darüber nachzudenken. So wurde Mark Spoon fast über Nacht vom ebenso geliebten, wie verhassten Rave-DJ zum Popstar, genauso wie sein Kollege Jam El Mar, der seine Brötchen bis dato als Konzertgitarrist verdienen musste.
Doch wer hoch fliegt, kann auch tief fallen. Und so kam es, dass Jam & Spoon nach ihrem 1997er Album „Kaleidoscope“ plötzlich von der Bildfläche verschwanden. Wahrscheinlich hatten sie sich jedoch nur etwas verlaufen oder haben die frisch verdiente Kohle unter’s Volk gebracht, denn genauso überraschend, wie ihr Verschwinden, gestaltet sich nun ihre fulminante Rückkehr. Rolf Ellmer und Markus Löffel (so heißen die beiden wirklich) haben sich nämlich auf ihre alten Tugenden besonnen und legen nun ihr neues Album „Tripomatic Fairytales 3003“ vor, das ganz in der Tradition ihres ersten Longplayers zu stehen scheint. Dabei hat sich das Duo Infernale der deutschen Dance-Szene fast vollständig von seiner früheren Bauerndisco-Kompatibilität gelöst, um geradewegs in Richtung solides Songwriting zu marschieren.
„Für uns war es nur konsequent und logisch, musikalisch einen Schritt nach vorne zu gehen“ presst Mark Spoon zwischen zwei Croissants, die er sich gerade im Berliner Kaffee Einstein zwischen die Zähne geschoben hat, hervor. „Wir hätten ja 1989, als wir mit den Arbeiten an „Tripomatic Fairytales 2001“ begannen, nie gedacht, dass wir heute noch zusammen Musik machen.“ „Außerdem,“ ergänzt Jam El Mar „haben sich sowohl die Szene, als auch wir selbst in den letzten zehn Jahren sehr verändert. Das Platten-Business ist beispielsweise viel härter geworden. Der Markt wird sich immer mehr in zwei Strömungen aufteilen und in einen Trendbereich, der nur sehr kurzlebig ist, sowie einen Nischen-Bereich polarisieren. Da mussten wir schon auch drauf reagieren und eine neue Standortbestimmung finden.“
Die neue „Standortbestimmung“ manifestiert sich nun also im soliden Popsong mit Tanzflächen-Potential, garniert mit allerlei Gastsängern, wie Jim Kerr (Simple Minds), Reamonn, Xavier Naidoo, Midge Ure, Dolores O’Riordan (The Cranberries), Tricky, Max Romeo und natürlich Alltime-Fave Plavka. Erstaunlich bei diesem Album ist allerdings die musikalische Offenheit, mit der Jam & Spoon hier in das nächste Jahrtausend starten.
So klingen die einzelnen Songs ganz so, als wären sie akribisch auf die bekannten Stilmerkmale der Gaststars zugeschnitten: Jim Kerr schmettert in „Cynical Heart“ zu dermaßen typischen Synthesizer-Wogen, dass man meinen könnte, der Rest von den Simple Minds wäre Jam & Spoon während der Produktion mächtig über die Schlappen gelatscht. Genauso verhält es sich mit der manisch-depressiven Klangwelt von Tricky, die hier mehr zum Tragen kommt, als der erwartete Melodienreigen der beiden Frankfurter. Wer dies jedoch nun als stilistische Unsicherheit und kompositorische Schwäche begreift, hat wohl vor der falschen Disco geparkt. Entstanden ist nämlich ein wahrlich stilprägendes Album, das in all seiner musikalischen Fülle in die Offensive geht und dabei beweist, dass Nonkonformität nur dann funktioniert, wenn sie mit Profession einher geht.
Wie sagte Jam El Mar doch schon 1996: „Seit es Sampler und Synthesizer gibt, ist ja eigentlich jeder Sound gehört.“ So gesehen haben sich Jam & Spoon mit „Tripomatic Fairytales“ bereits selbst überlebt und dabei begriffen, dass ja gestern heute schon morgen ist.
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