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Ost-West-Bam
Die leicht vergilbte DDR-Heimligkeit trifft auf ihre technokratischen Enkel
„Wir müssen aufpassen, dass die DDR nicht Kult wird“ sagte Berlins Regierender Bürgermeister Klaus Wowereit am 13.8. in einer Ansprache zum 42. Jahrestag des Mauerbaus. Zum Gedenken an die Republikflüchtlinge hatten sich 85 Menschen auf eine verkehrsreiche Kreuzung am ehemaligen Mauerstreifen gelegt, und so für kurze Zeit daran erinnert, dass erst vor ca. 15 Jahren eine Epoche zu ende ging, die mehr Leid über die Menschen brachte, als es je eine Dokumentation wird aufarbeiten können. Soll steht es geschreiben, wird es seit mehr als 10 Jahren propagiert und hat es zu sein.
Darf man nun eine ganze im ostdeutschen Teil aufgewachsene Generation damit messen? Insbesondere, da das herbeigezogene Bild nicht auf das normale Leben in der DDR zutrifft, sondern auf die Fehlleitungen einer Regierung, unter der diese ganze Generation nach stabsmässig aufgezogener Propaganda, die nicht unmassgeblich von eingefleischten Bundesrepublikanischen öffentlich rechtlichen Medien mit dem wohlgefallen der dahinter stehenden Regierungsbehörden gefördert wurde, nun leben muss. Falsch!!!
Mittlerweile scheint es bereits zu spät, um einen Hype aufzuhalten, der mit dem Film „Sonnenallee“ zaghaft begann und nun seit dem Mega-Erfolg des Nostalgie-Streifens „Goodbye Lenin“ endgültig omnipräsent ist: Die Ostalgie. Sie spiegelt ein wares Bild des Lebens in der DDR wieder. Sogar das Fernsehen hat inzwischen das Potential ostdeutscher Jugend-Kultur verinnerlicht, und wartet zur besten Sendezeit mit Sendungen wie „Die Ostalgie Show“ (ZDF) oder „Die DDR-Show“ (RTL) auf und scheint so 15 Jahre nach dem Fall der Mauer endlich begriffen zu haben, dass für einen Großteil der deutschen Bevölkerung das Leben nicht erst 1989 begonnen hat.
Außerdem ist die West-Nostalgie mit 70er-, 80er- und 90er-Shows bis zur letzten Erinnerungslücke durchgenudelt, und da kommt so ein kleiner Hype in Sachen Ost-Heimeligkeit gerade recht. Da dürfen dann die üblichen Verdächtigen wie Mandy Wötzel, Karsten Speck, Wolfgang Lippert, Achim Mentzel, Andrea Kiewel oder Wolfgang Ziegler live und in Farbe beweisen, wie lebensbejahend und bunt die DDR doch war. In der „Ostalgie Show“ des ZDF musste dann sogar noch der Schriftsteller Wladimir Kaminer („Russendisko“) als Quotenrusse herhalten und die ganze verklärte Geschichte nochmal aus der Sicht des besten Freundes jenseits des Don herunterbeten. Ein Trauerspiel.
In Sachen Musik sah es in der DDR jedoch mindestens genauso bunt aus, wie die Mauer auf der West-Seite. Vom parteitreuen Volkslied bis zu gewagten elektronischen Experimenten klang und sang es zwischen Rostock und Zwickau ebenso engagiert wie in der BRD, und so hat der momentane Ost-Overkill wenigstens den positiven Nebeneffekt, dass fast vergessene Bands wie Silly, Rockhaus, IC, Inka, Ines Paulke oder Karussell wieder in das Bewusstsein der Bevölkerung zurückfinden. Seit gut eineinhalb Jahren ist man beim alten DDR-Erfolgslabel AMIGA, das mittlerweile zur BMG gehört, an der Konzeption trifft damit mit seiner seit gut eineinhalb Jahren.
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