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Housework Reinfection
„‘E Samba‘ ist der Samba-Hit des Sommers“ schwadronierte Tom Novy noch vor wenigen Monaten mit glänzenden Augen bei der Präsentation der Dancefloor Charts auf MTV und hatte dabei einen Song im Kopf, an dem man in den heißen Monaten des letzten Jahres wirklich kaum vorbeikam. Locker dahingefurzte House-Beats, Latino-Gitarre und ein Refrain mit Mitsingfaktor 10 bilden nun mal den musikalischen Stoff, der die sommerlichen Süchte und Sehnsüchte am ehesten zu befriedigen weiß. Produziert hat die süßlich-südliche Verlockung allerdings keine US-amerikanische Latin-House-Legende, die sich in einem Moment geistiger Umnachtung den Backkatalog von Nicola Conte hat andrehen lassen, sondern vielmehr ein junger, ambitionierter Belgier namens Vito Lucente.
Warum der sich allerdings das Alter Ego „Junior Jack“ zulegte, anstatt voll auf den Südländer-Bonus seines Namens zu setzten, bleibt wohl sein Geheimnis. Immerhin scheint die Rechnung aufzugehen, denn obwohl er bereits zu Beginn der 90er Jahre angefangen hatte, eigene Tracks unter diversen Künstlernamen zu veröffentlichen, gelang ihm erst mit der ersten Junior Jack-Single „My Feeling“ aus dem Jahre 2000 der internationale Durchbruch.
Maßgeblich beeinflusst durch die frühen Werke französischer House-Pioniere wie Sutra, Daft Punk, Discotique, Patrick Vidal oder The Micronauts, blieb Junior Jack trotz Billboard-Erfolge immer ein Kind des Underground und seines rauen, schmutzig-glitzernden Charmes.
„Ich habe nie versucht, Daft Punk oder andere zu kopieren, aber ihr fulminantes 'Homework‘-Album färbt noch bis heute ganz automatisch auf meinen Sound ab“ gibt Vito ungeniert zu. „Wenn ich Musik mache, denke ich nicht im Geringsten darüber nach, welchen Kompositionen das irgendwie ähnlich sein könnte. Sonst würde ich mich ja verrückt machen, ohne jemals etwas zustande zu bringen. Deshalb fällt es mir auch im Allgemeinen sehr schwer, über mein neues Album zu reden. Meiner Meinung nach kann ich darüber nicht viel sagen, außer, dass ich es eben so gemacht habe, wie es jetzt ist. Interpretationen dazu fertigen andere viel besser.“
Doch ganz so einfach können wir es Monsieur Lucente dann doch nicht machen, schließlich hat er nun nach all den Jahren des eifrigen Produzierens und Remixens (u.a. Moby, Bob Sinclair) mit „Trust It“ gerade mal sein Debut-Album vorgelegt. Da ist die Frage nach der langen Dauer durchaus legitim. Doch auch damit lässt sich Vito nicht aus der fast schon stoischen Ruhe bringen:
„Auf dem Album kann man zwei Jahre meines Lebens hören. Ich bin nicht der Typ, der ins Studio geht, sich hinsetzt und sagt: ‘So, jetzt mache ich ein Album‘. Ich setzte mich nur dann an die Geräte, wenn ich gerade eine gute Idee habe, die ich umsetzten will. Und das kann eben manchmal dauern. Deshalb ist „Trust It“ auch nicht als ein Konzept-Album, hinter dem eine große Gesamtidee steht, zu verstehen, sondern als Kollektion verschiedener Junior Jack-Tracks aus den letzten Jahren. Ein weiterer Grund für die späte Veröffentlichung meines ersten Longplayers ist die wirtschaftliche Situation. Es war in der Vergangenheit kaum möglich, ein reines Dance-Album erfolgreich im Markt zu etablieren. Das hat man auch bei Leuten wie Mousse T. oder Roger Sanchez gesehen, die fantastische Alben veröffentlicht haben, ohne dass dies in der breiten Öffentlichkeit zur Kenntnis genommen worden wäre. Ich hätte auch vor drei Jahren schon gerne ein Album herausgebracht, aber aufgrund meines geringen Bekanntheitsgrades wäre das wohl zum Scheitern verurteilt gewesen.“
Ganz unrecht hat Lucente mit dieser These nicht, denn der Dance-Markt lebte, von Daft Punks „Homework“ einmal abgesehen, tatsächlich weitestgehend von Single-Verkäufen oder Compilations. Vielleicht hat es Junior Jack ja mit „Trust It“ tatsächlich geschafft, dem Vertrauen in die House-LP eine neue Chance beim Publikum zu geben. Und wenn nicht, wird er sich davon auch nicht aus der Ruhe bringen lassen. Der nächste Sommer (-Hit) kommt nämlich bestimmt.
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