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Funk D'Void
Reinhold KöhlerA Abschnitt
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Funk D’Void und sein Leben als „Volume Freak“

Lars Sandberg gehört zu jener Art kosmopolitischer Feingeister, die auf linken Parteitagen sicherlich gerne als Gastredner gesehen werden. Als Sohn einer australischen Mutter und eines schwedischen Vaters wuchs er im ebenso kühlen, wie versoffenen Schottland auf, interessierte sich schon früh für die schwarze Musik der 70er- und 80er-Jahre und gilt als einer der Gründer der Glasgower Clubszene. Als einer der ersten DJs holte er die warme Welle des funky House nach Europa, modifizierte sie, ließ sich ein wenig von der Detroiter Schule infizieren und kreiert seitdem als Funk D’Void seine ureigene Auffassung von soulful Techno jenseits aller Geschmacks-Diskussionen. Seit einigen Jahren lebt Lars Sandberg nun bereits in Barcelona, hat dort eine Brasilianerin geheiratet und einen Sohn bekommen, der das weltbürgerliche Erbe der Familie in die nächste Generation führen wird. Nun hat Funk D’Void ein neues Album aufgenommen und es aufgrund seiner sich schleichend ausweitenden Schwerhörigkeit „Volume Freak“ genannt. Was es damit auf sich hat, wie sehr eine Familie das Leben verändert und wie viel Seele in digitaler Musik stecken kann, haben wir in einem Gespräch mit dem Kult-Produzenten herausgefunden.

Lars, du hast dir als Künstlernamen eine Figur namens „Sir Nose devoid of funk“ aus einem alten George Clinton Song ausgesucht. Bist du diesem Charakter im Laufe deiner Karriere näher gekommen?

Nein, denn die Comic-Figur, der ich den Namen entnommen habe, ist ein kauziger Cowboy mit einer riesen Nase, der komischste Cartoon-Charakter, den ich je gesehen habe. Letztendlich fand ich den Namen des Kerls einfach cool. So kam ich auf „Devoid of Funk“, und weil es besser aussah, habe ich dann Funk D’Void draus gemacht. Dabei ist der Name durchaus als ironisch zu verstehen, da ich schon sehr funky Techno produziere.

Wie weit können denn zwei so eigenständige Genres wie Techno und Funk verschmelzen, ohne dass sie ihre Eigenheit verlieren?

Nun, dabei geht es in erster Linie um einen gewissen Swing, den ein Techno-Track nun mal hat oder eben nicht. Einfach zwei Genres ineinander zu mischen ist nicht gerade sehr kreativ und wäre auch eher als Bastard-Pop zu definieren und nicht mehr als funky Techno, der ja zu meinem Markenzeichen wurde. Das manifestiert sich dann eben in angenehm vor sich hinblubbernden Basslines und funky steps. Ich könnte auch gar nichts anderes machen, weil ich eben Musik mache, die aus dem Herzen kommt.

Dein neues Album nennt sich „Volume Freak“. Bist du mit der Zeit etwas schwerhörig geworden oder was soll uns der Titel sagen?

Ich mag einfach lustige Titel und Wortspiele.

Wie sieht denn ein „Volume Freak“ aus?

So wie ich, wenn ich irgendwo auflege. Ich habe eine 5 KW-Anlage in meinem Studio, das sagt wohl alles. Wenn ich das noch eine Weile so durchziehe, höre ich wahrscheinlich bald wirklich nichts mehr.

Ist „Volume Freak“ ein reines Techno-Album?

Ja, absolut. Es ist nicht so weit von dem entfernt, was man von mir kennt. Meine Vorliebe für Funk, Electro und Streicher-Melodien kommt ebenso zum Vorschein, wie mein Hang zu geradlinigen Beats und klaren Strukturen. Allerdings habe ich diesmal auch zwei Vocal-Tracks aufgenommen, was für mich nicht gerade alltäglich ist.

Du wirst ja oft als Schottlands heißester Techno-Export bezeichnet. Nun lebst und arbeitest du aber schon seit Jahren in Barcelona. Wieviel schottisches Blut ist denn in deinen Tracks noch enthalten?

Keine Ahnung. Schottland ist der Ort, an dem ich aufgewachsen bin, wo meine Familie und meine Jugend-Freunde leben, mehr nicht. Ich glaube nicht, dass das einen großen Einfluss auf meine Musik hat. Wirklich schottisch an mir ist wohl die Art zu feiern, mit viel Alkohol und tagelangem Durchmachen, also das Destruktive gegenüber sich selbst, das auch noch Spaß macht. Ich habe allerdings meinen Lebensmittelpunkt längst in Barcelona, wo ich ein Haus gekauft und eine Familie gegründet habe.

Hatte der Umstand, dass du mit der Gründung einer Familie auch plötzlich die Verantwortung für andere übernehmen musstest irgendwelche Auswirkungen auf deine Karriere?

Was sich vor allem geändert hat, ist die Tatsache, dass ich nun mehr zu tun habe, als je zuvor. Ich habe meiner Frau allerdings von Anfang an gesagt, dass ich auch zukünftig versuchen werde, mit meiner Musik erfolgreich zu sein, und da gehören Dinge wie Studioarbeit, Promotion, DJing und Reisen eben einfach dazu. Und sie hat auch überhaupt kein Problem damit, sondern unterstützt mich in dem, was ich tue wo sie nur kann. Bessere Voraussetzungen kann ich mir also gar nicht wünschen. Vor zwei Jahren, als ich weder meine Frau, noch meinen nun acht Monate alten Sohn hatte, war ich innerlich völlig leer, ausgebrannt und demotiviert. Nun hat mein Leben wieder einen wirklichen Sinn und ich weiß auch in Momenten, in denen mich mein Beruf ankotzt, warum ich das Ganze letztendlich mache.

 
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